Planung

DER WEG ZUM GROSSEN WURF

Wettbewerb der klügsten Köpfe

Im Jahre 1991 schrieb der Senat von Berlin ohne Beteiligung der Grundstückseigentümer und Investoren einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Darin sollten allgemein verbindliche Vorgaben für die Bebauung des Potsdamer und Leipziger Platzes entwickelt werden, an denen sich später die architektonischen Entwürfe der einzelnen Investoren orientieren sollten.

Der vom Senat ausgewählte Entwurf des Münchner Büros Hilmer und Sattler formulierte für den gesamten Wettbewerbsbereich konkrete Vorgaben: eine Blockbebauung mit 35 m Traufhöhe, Akzentuierungen durch höhere Gebäude am Landwehrkanal und am Potsdamer Platz und ein Straßenraster, das sich eng am historischen Vorbild orientierte. Die Investoren am Potsdamer und Leipziger Platz beauftragten den internationalen Architekt Richard Rogers mit einem Alternativprojekt. Sie erhofften sich eine höhere städtebauliche Verdichtung durch mehrere Hochhäuser. Der Entwurf wurde allerdings von den Investoren später nicht weiter verfolgt.

Auf der Grundlage des städtebaulichen Wettbewerbs startete der damalige Investor, Daimler-Benz, im März 1992 einen Architekturwettbewerb für das konzerneigene Grundstück. In Absprache mit dem Senat von Berlin, der gleichberechtigt in der Jury des Preisgerichts vertreten war, wurden sieben ausländische und sieben deutsche Architektenteams eingeladen. Man verständigte sich auf international anerkannte, in der städtebaulichen Planung erfahrene und ausgewiesene Architekten.

Die Entscheidung fiel mit 20 : 1 Stimmen für den Entwurf der Planungsgemeinschaft Renzo Piano / Christoph Kohlbecker. Als einer der wesentlichen Vorzüge dieses Entwurfs wurde die überzeugende Lösung für die Anbindung des Areals an das Kulturforum sowie die Einbeziehung von Wasserflächen in die Bebauung angesehen. Wo die Alte Potsdamer Straße gleichsam in einer Sackgasse unterhalb der mächtigen und abweisenden Ostfassade der Staatsbibliothek endete, sollte im Piano/Kohlbecker-Entwurf der Mittelpunkt des Areals liegen: Rund um den in der Planungsphase "Piazza" genannten Marlene-Dietrich-Platz gruppierte Piano/Kohlbecker die Gebäude mit dem stärksten öffentlichen Charakter: Hotel, Theater, Casino, Restaurants, Einzelhandel und IMAX-Theater (das heutige BLUEMAX Theater). Der Platz wurde als ein Ensemble eigenständiger Bauten konzipiert. Theater und Spielbank können als eine der Bibliothek vorgegliederte neue Ostseite betrachtet werden; das große gemeinsame Vordach schließt den Platz wie ein Foyer ein. Ein direkter östlicher Eingang zur Bibliothek ist in der Blickachse zum Potsdamer Platz angelegt. 

Unter der Leitung von Renzo Piano wurden noch sechs weitere Architekturbüros mit der Planung von Gebäuden beauftragt: Arata Isozaki (Tokio), Christoph Kohlbecker (Gaggenau), Hans Kollhoff (Berlin), Ulrike Lauber und Wolfram Wöhr (München), José Rafael Moneo (Madrid) und Richard Rogers (London).