An die Stecker, fertig, los!

SegwayVon der Elektroauto-Vermietung für Touristen bis zum Segway, auf dem die Haustechniker ihre Runden drehen: Der Potsdamer Platz soll ein Zentrum für umweltfreundlichen Verkehr werden.

Elektromobilität ist in der deutschen Politik ein wichtiges Thema, Chefsache sozusagen. Seit 2012 fördert die Bundesregierung „Schaufenster der Elektromobilität“ mit insgesamt 180 Millionen Euro.

Keine Frage: die Hauptstadt ist dabei. Seit April 2012 ist die Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO) eines von vier Schaufenstern. Der Potsdamer Platz ist als neues Zentrum der Hauptstadt und Anziehungspunkt für Touristen, Unternehmen und Kulturtreibende prädestiniert dafür, eines der 35 Kernprojekte innerhalb des „Internationalen Schaufensters der Elektromobilität Berlin-Brandenburg“ zu sein. Denn wenn Berlin Vorzeigemetropole für ein alternatives, elektromobiles Verkehrskonzept werden soll, dann hat der Potsdamer Platz als kleine Stadt in der Stadt Modellcharakter.

Die eMO setzt dementsprechend große Hoffnungen in das Kernprojekt „elektrifizierter“ Potsdamer Platz. Während die anderen Vorhaben und Standorte durchaus unterschiedliche Facetten der E-Mobilität wie Entwicklung, Gebäude oder öffentlicher Nahverkehr präsentieren, umfasst der Potsdamer Platz buchstäblich alle Aspekte nachhaltigen Verkehrs – und hier kann man sie auch gleich auf ihre Alltagstauglichkeit prüfen.

Denn wo sonst müssen so viele Herausforderungen an den urbanen Verkehr auf so kleinem Raum erfüllt werden? Ist der Potsdamer Platz doch Wohnviertel, Geschäftsquartier, Konzern- und Kulturstandort, Tourismusmagnet und Verkehrsknotenpunkt in einem. Wenn also hier ein neues Mobilitätskonzept erfolgreich umgesetzt wird, dann kann das internationale Maßstäbe setzen.

Mit dem Engagement für den umweltfreundlichen Verkehr, der sich aus der Steckdose speist, bleibt der Platz seinen Prinzipien treu. Schon seit 1991 setzen Betreiber und Investoren Standards beim umweltgerechten Bauen: Das Quartier Potsdamer Platz trägt das Nachhaltigkeitszertifikat in Silber, der Gebäudekomplex mit seinen „Green Buildings“ verfügt über eine beispielhafte Umweltbilanz. Es ist klares Ziel, diesen grünen Anspruch beizubehalten – auch beim Thema Mobilität.

Wenn hier ein neues Mobilitätskonzept erfolgreich umgesetzt wird, dann kann das internationale Maßstäbe setzen.

Das Center-Management der Shopping Arkaden Potsdamer Platz geht da mit gutem Beispiel voran: Hausmeister und Techniker sind im Einkaufscenter, den Parkhäusern und den unterirdischen Servicebereichen auf Segways unterwegs. Doch die praktischen Ein-Mann-Transporter stehen auch Besuchern zur Verfügung. An der Kundeninformation der Arkaden können die Segways gegen Vorlage des Führerscheins und nach einer kurzen Einführung gemietet werden – das ideale Fortbewegungsmittel, um den Potsdamer Platz ökologisch korrekt zu erfahren.

Alltagstauglichkeit ist der Schwerpunkt des Potsdamer Platz Schaufensters. Um die Verkehrsteilnehmer von heute für ein nachhaltiges Verkehrskonzept von morgen zu sensibilisieren, muss Vertrauen in die neue Technik geschaffen werden. Im Szenario der eMO können Privatanwohner, Gewerbetreibende sowie Touristen von einem ganzheitlichen Mobilitätskonzept profitieren: Vom Segway über E-Bikes und E-Roller bis zum E-Auto kann alles gemietet werden.

Es gibt Rental-Services für Touristen, Car-Sharing für Anwohner, gewerbliche Flotten aus E-Autos für Gewerbe, Sicherheitsunternehmen und Dienstleister. „Es geht nicht einfach nur darum, Verbrennungsmotoren gegen Elektro-Antriebe auszutauschen, sondern um ein neues Verkehrssystem, das klug Individualverkehr, öffentlichen Personentransport und Güterverkehr miteinander vernetzt“, so die eMO. „Intermodalität“ nennen sie das.

Die Elektrifizierung eines kompletten urbanen Verkehrs ist Klimaschutz unter logistischen Extrembedingungen, die im Potsdamer Platz Schaufenster durchsimuliert werden können. Wo steht ein Fahrzeug, das ich mieten kann? Wie lange und wie weit fahre ich damit? Wo ist die nächste Ladestationen, wann die günstigste Zeit zum Aufladen? Wie rechne ich die Kosten ab?

Es sind nicht nur die logistischen Herausforderungen, die den Potsdamer Platz für die eMO attraktiv machen: Die Hoteldichte, die zahlreichen Events, die wiederum viele Journalisten locken, Politik- und Wirtschaftsdelegationen, die den Platz täglich besuchen – welches Schaufenster hat schon solch ein Laufpublikum?

Gute Chancen also für Berlin als Leitmetropole moderner Elektromobilität – und der Potsdamer Platz wie immer mittendrin…

Text: Bernd Ratmeyer