Michael Kempf im Interview

Seit 2003 ist Michael Kempf Küchenchef im Restaurant FACIL am Potsdamer Platz. Bereits im Anfangsjahr holte der Schwabe den ersten Michelin-Stern, 10 Jahre später den zweiten.

Michael Kempf
Michael Kempf

Was unterscheidet die Ein-Sterne-Küche von der Zwei-Sterne-Küche?
Schwer zu sagen, der Geschmack entscheidet. Ich führe einmal jährlich ein Gespräch mit Michelin, um zu erfahren, wann ich getestet wurde und wo ich stehe. Deshalb wusste ich, dass ich schon länger als Kandidat für den zweiten Stern gehandelt wurde.

Haben Sie jemals einen Testesser erkannt?
Nein, noch nie, obwohl wir allein 2013 vier Mal getestet wurden.

Hat sich Ihre Küche verändert?
Sie ist puristischer geworden, schnörkellos auf den Punkt. Vor vier Jahren ist bei mir der Knoten geplatzt, und ich habe viel Arbeit in Menüs gesteckt, die oft nur aus wenigen Komponenten bestehen.
Das Grundprodukt steht im Fokus, etwa der Wolfsbarsch: Er wird ganz einfach gebraten, bis er ein tolles knuspriges Schuppenkleid erhält. Großen Wert lege ich auch auf Gemüse und leichte, frische Saucen, zum Beispiel aus Gemüsesäften.

Wie haben Sie den zweiten Stern gefeiert?
Das war verrückt. Am Abend vor der Bekanntgabe liefen mir Michelin-Chef Ralf Flinkenflügel und Kochlegende Eckart Witzigmann über den Weg. Die beiden wollten spontan bei mir essen, haben jedoch nichts verraten, außer, dass ich am nächsten Tag zur Pressekonferenz kommen soll. Nach der offiziellen Verkündung habe ich zuerst meine Frau angerufen – und abends mit dem Team bis zum nächsten Morgen gefeiert.

Über welche Gratulanten haben Sie sich besonders gefreut?
Köche und Hoteliers aus ganz Deutschland haben sich gemeldet. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Am meisten gefreut hat mich der Anruf von Drei-Sterne-Koch Dieter Müller. Er ist menschlich und fachlich mein großes Vorbild. Zwei Wochen später war er sogar bei mir im Restaurant zum Essen.

Zu Hause kocht Ihre Frau. Helfen Sie ihr als Profi gelegentlich?
Nein, sie ist eine fantastische Hobby-Köchin. Am Küchentisch zu sitzen und einfach nur ein Glas Wein zu trinken, ist für mich die größte Entspannung.

Wollen Sie nun den dritten Stern?
Erst mal will ich weiter Vollgas geben und schauen, wie ich meine Küche weiterentwickeln kann. Doch in fünf, sechs Jahren wäre der dritte Stern schon mein Ziel.


Der „Guide Michelin“ ist ein jährlich erscheinender Hotel- und Gastronomieführer. Er wird vom französischen Reifenhersteller Michelin für verschiedene Länder herausgegeben und ist erstmals 1900 erschienen.
Weltweite Aufmerksamkeit erfährt die Restaurantbewertung nach einem Drei-Sterne-System. Demnach bedeuten ein Stern „eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung “, zwei Sterne „eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ und drei Sterne „eine der besten Küchen: eine Reise wert“.

 

FACIL im The Mandala Hotel
Potsdamer Straße 3, 10785 Berlin
Montag bis Freitag, mittags ab 12 Uhr, abends ab 19 Uhr
Samstag und Sonntag geschlossen

www.facil.de